09.04.2019 Ab zum Berg (Tag 9)

Auch heute gehen wir entspannt frühstücken und packen danach unsere Rücksäcke fertig. Wir checken pünktlich um 12 Uhr aus und machen uns mit der U-Bahn auf dem Weg zum Fernbahnhof von Xi`an. Dort angekommen geht es erst einmal wieder durch den Sicherheitscheck und die Fahrkartenkontrolle bis zu unserem Wartebereich. Unser Zug fährt in einer Stunde ab und somit können wir uns ganz entspannt damit beschäftigen nach einem Zug zu schauen, den wir in ein paar Tagen von Huas nach Luoyang nutzen möchten. 20 Minuten vor der Abfahrt beginnt der Check in und wir finden auch bei unserer zweiten Fahrt mit einem Hochgeschwindigkeitszug problemlos unsere Wagon und unsere Sitzplätze.

Wir fahren nach Huashan lediglich 30 Minuten und kommen pünktlich an. Am Bahnhof wartet bereits einen Mitarbeiter unserer neuen Unterkunft (Huashan International Youth Hostel) und holt uns ab. Bevor wir losfahren kaufen wir uns schnell noch die Zugtickets für die Fahrt nach Luoyang. Leider ist es an diesem Tag sehr stark bewölkt und nebelig.

In der Unterkunft angekommen checken wir ein, legen auf dem Zimmer unsere Rücksäcke ab und laufen erst einmal ein wenig durch den Stadtteil. Die Straßen sind an dem Nachmittag ziemlich ausgestorben und nach einem kurzen Einkauf mit etwas zu Essen für den Abend und Proviant für den nächsten Tag geht es zurück in unsere Unterkunft. Nach dem Essen beschließen wir weiter Blogs zu schreiben, wozu wir in den ersten Tagen in Peking nicht wirklich oft gekommen sind und wir noch Einiges aufzuholen haben. Carina schaut parallel im Internet welche Wege wir beim Huashan Berg am nächsten Tag laufen können und wie teuer die Eintrittspreise sind.

10.04.2019 Ein Tag Ruhe

Da das Wetter heute sehr wolkig sein soll haben wir beschlossen, heute auszuschlafen. Gegen 9 Uhr wachen wir auf und frühstücken. Carina hat gestern im Internet herausgefunden, dass die Eintrittstickets für den Berg für 2 Tage gültig sind. Da unsere Unterkunft direkt am Eingang des Trekkingweges, welcher zur Spitze des Berges führt liegt, beschließen wir, heute einen Teil dieses Weges zu gehen. Der Aufstieg soll teilweise sehr abenteuerlich sein, die Stufen sind manchmal senkrecht in den Berg rein gehauen sind und man nur ein paar Eisenketten zum festhalten hat. Das macht uns neugierig und wir möchten uns das mal ansehen.

Entspannt laufen wir gegen 11 Uhr los. Wir laufen durch den Jade Spring Tempel durch, um nach einem ca. 10 Minütigen Fußweg am Ticketschalter anzukommen. Dort dann die Enttäuschung. Die Tickets sind mittlerweile nur noch für einen Tag gültig. Da heute sehr schlechte Sicht ist, wir nicht zweimal den Eintritt von knapp 22€ pro Person zahlen wollen und wir heute eh nur ein bisschen gewandert wären entschließen wir uns, umzukehren und mit dem kostenlosen Shuttlebus zum Touristencenter zu fahren. Vielleicht können wir uns ja schon mal die Tickets für den Eintritt und die Seilbahn für morgen kaufen und sparen uns morgen die Zeit zum Anstehen.

Im Touristencenter, bzw. Ticketcenter angekommen erfahren wir leider, dass man keine Eintrittskarten für den nächsten Tag vor kaufen kann und so schlendern wir vor Ort noch ein bisschen herum, bevor wir zurück zur Unterkunft fahren. Wir nutzen nun den Tag um unsere Videos zu schneiden und Fotos zu bearbeiten. Einen Tag Pause nach knapp 1,5 Wochen Action tun auch gut, grade da Carina seid gestern etwas Halsschmerzen hat.

Tag 11 Ein Tag auf zum heiligen Berg (11.04.2019)

Heute heißt es früh aufstehen, denn wir möchten heute auf den Berg Huashan und vor den Massen da sein. Der Mount Huashan gehört zu den fünf heiligen Bergen in China und ist mit seinen knapp 2200 Metern auch der höchste. Er besitzt mehrere Berggipfel, die die durch Pfade miteinander verbunden sind. Auf dem Berg gibt es mehrere Klöster, Pagoden, Brücken, Tore und Tempel. Er zählt zu den gefährlichsten Bergen der Welt, nicht aber weil die Wanderwege an sich so gefährlich sind, sondern weil es dort die gefürchtete Plank Road gibt. Bei der Plank Road klettert man nur durch ein Brustgeschirr gesichert über dünne Holzbretter, die grade mal halb so breit wie ein Fuß sind und Einbuchtungen in der Steinwand (die als Treppen dienen) an der Bergwand entlang, unter sich nichts als der Abgrund und den knapp 2000 Meter entfernten Boden. Um 6 klingelt der Wecker. Wir frühstücken, ziehen uns an, packen den Rucksack und dann laufen wir über die Straße zum Shuttlebus.

Pünktlich um 7 Uhr stehen wir am Ticketschalter und kaufen uns die Eintrittskarten (160 Yuan, ca. 21€ p.P.) und das Busticket (20 Yuan, ca. 2,60€ p.P. und Strecke), welcher uns zur Seilbahn bringt. Die Tickets für die Seilbahn müssen wir an der Station kaufen (150 Yuan, ca. 20€ p.P. Hin & Zurück).

Wir laufen zum Shuttlebus und kommen nach ca. 15 Minuten fahrt an der Talstation der Seilbahn an. Ein erster Blick rauf zum Berggipfel. Viel können wir nicht sehen, es ist total wolkenverhangen und nebelig. Wir gucken uns an und hoffen, dass die Wettervorhersage stimmt und die Sonne nachher wirklich raus kommt und die Wolken verscheucht. Sonst werden wir leider außer die Wolken nichts von dem eigentlich so schönen Ausblick sehen.

Wir kaufen uns die Seilbahntickets und laufen zu den Gondeln. Im Internet haben wir gelesen, dass man am besten schon kurz vor Öffnung der Ticketschalter da sein soll, da es sonst so voll sein kann, dass man teilweise Stunden warten muss, bis man mit der Seilbahn hoch fahren kann. Wir sind grade die einzigen hier. 😀

Wir laufen durch zur Gondel und setzen uns. Es geht sofort los und die Bahn bekommt beim raus Fahren aus der Station einen richtigen Schub. Carina findet das ganze nicht so lustig. Je länger wir fahren und je höher wir kommen um so steifer und verkrampfter wird sie. Man kann ihr die Angst im Gesicht ablesen und sie fragt sich, warum sie das hier grade macht.

Oben auf ca. 1600 Metern angekommen muss sie erst mal durchatmen und ist froh, festen Boden unter den Füßen zu haben. Wir laufen ein Stück die Treppen hoch um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Es ist so wolkig, dass wir die Talstation nicht erkennen können aber wir bleiben optimistisch, dass die Sicht im Laufe des Tages besser wird und wandern erst mal los.

Nach wenigen Minuten kommt die erste Herrausforderung und die Treppen werden immer Steiler und die Stufen immer kleiner. Teilweise sind die Stufen senkrecht in Stein gehauen und wir kletter mithilfe von Eisenketten hoch.

adriano wand

Auch wenn wir nur in eine weiße Wand schauen, können wir erahnen, wie tief es hier runter geht. Die nächsten 1,5-2 Stunden geht es über Treppen steil nach oben und die Beine fangen langsam an zu schmerzen. Zumindest frieren tun wir solange wir uns bewegen nicht. Nach ca. 2 Stunden kommen wir am Westpeak an. Hier sind wir auf ca. 2080 Meter Höhe. Es ist immer noch sehr nebelig und die Sicht wird eher schlechter als besser. Weiter als 20 Meter können wir nicht gucken.

Wir schauen auf den aktuellen Wetterbericht. In ca. 2. Stunden soll die Sonne scheinen. Wir beschließen uns eine windstille Ecke zu suchen und zu warten, bis die Sonne raus kommt in der Hoffnung, wir können dann endlich das Bergpanorama genießen. Knut hat übrigens seine Mütze und den Schal vergessen. Er hat sich in Carinas Jacke verkrochen und schaut mit seinen zwei großen Augen neugierig heraus.

Nach ca. einer Stunde können wir die ersten Wolkenlücken erkennen und es wird immer heller. Die ersten Sonnenstrahlen kommen hinter den Wolken hervor. Wir drehen uns Richtung Sonne und genießen die warmen Sonnenstrahlen in unserem Gesicht. Wir beschließen auf den höchsten Punkt des Westpeak zu gehen und dort zu warten, bis sich die Wolken komplett verzogen haben. Nach ca. weiteren 45 Minuten ist es dann so weit. Die Wolken sind weg und wir können endlich den Ausblick genießen. Wir schauen beide in die Ferne und sind sprachlos. Mehr als ein WOW bekommen wir grade nicht über unsere Lippen. Wir gucken uns an und grinsen. Genau auf so einen Anblick haben wir gehofft.

DCIM103GOPROGOPR3676.JPG

Das Wetter scheint es doch gut mit uns zu meinen. Wir haben uns erst mal wieder hin gesetzt und alles auf uns wirken lassen. Wir verweilen noch ca. 1,5 Stunden machen noch ein paar Fotos und Videos und dann sind wir weiter in Richtung Southpeak gelaufen. Jetzt, wo es etwas später ist wird es auch deutlich voller. Entweder die Chinesen sind keine Frühaufsteher oder sie haben gewartet, bis das Wetter besser ist.

Nach ca. 30 Minuten (wieder hauptsächlich Treppen) sind wir am Southpeak auf 2155 Metern angekommen. Hier soll eine Bergformation so wie eine Lotusblume aussehen und wir müssen auch gar nicht lange suchen um diese zu finden. Man kann wirklich eine Ähnlichkeit erkennen.

IMG_5045

Wir laufen weiter durch einen Tempel und beschließen Mittagspause zu machen. Wir finden eine Bank mit Blick auf den Westpeak und machen es uns in der Sonne gemütlich. Nach ca. 20 Minuten laufen wir weiter. Wir müssten bald bei der Plank Road ankommen. Auf die sind wir schon sehr gespannt.

Wieder geht es Treppen rauf und runter. Dann sind wir an dem gefürchtetsten Punkt, der sich ironischer Weise auch Road to Heaven nennt angekommen. Wir können die Metallketten die nach unten führen und die dünnen Holzbretter erkennen, welche letztendlich zu einem kleinen Teehaus führen und wundern uns, warum es so leer ist. Den ersten Teil des gefürchteten Weges kann man ungesichert gehen, da es dort noch ein Metallgeländer gibt.

IMG_5060

Am Ende dieses Weges muss man sich dann ein Brustgeschirr ausleihen und kann damit gesichert die Plankroad „begehen“.

Wenn wir schon mal hier sind, möchten wir zumindest den ersten Teil des Weges begehen und so machen wir uns auf den Weg zum Zugang. So schlimm wie gefürchtet finden wir es dann gar nicht. Man hat sich schon ganz gut an die Höhe und an die teilweise nur knie- bis hüfthohen Geländer gewöhnt. Wir laufen zum Ende des Weges und stellen fest, das das Tor und somit auch die Plank Road geschlossen sind. Wir erfahren, dass der Bereich zur Zeit gewartet wird. Wir sind überrascht, dass man bei den alten Brettern überhaupt was warten kann. Wir machen ein paar coole Bilder, genießen die Aussicht und gehen zurück.

Wir laufen etwas weiter und machen bei einer großen Steinfläche nochmal Pause. Ein paar schöne Erinnerungsfotos mit dem Bergpanorama werden auch noch gemacht.

IMG_5074
IMG_5081
IMG_5079

Die chinesischen Touristen sehen dies und machen es uns nach. Dabei gehen sie immer näher zum Abgrund, sodass wir schon befürchten, dass einer gleich runter fällt. Dies sieht auch ein Mitarbeiter und schickt uns alle zurück zum Hauptweg. Weiter geht es zur Abwechslung mal wieder eine lange Treppe rauf. Dort können wir nochmal einen weiteren Weg, ähnlich der Plank Road erkennen, bei dem die Menschen gesichert durch ein Brustgeschirr senkrechte Treppen runter und über Metallrohre laufen müssen. Alles, um am Ende zu einem kleinen Schachpavillon zu kommen.

Mittlerweile ist der Himmel komplett aufgeklart und wir sind begeister von der Schönheit der Natur. Um uns herum sind nur Berge. Ganz weit entfernt können wir die Stadt erkennen, von der wir kommen. Wir erreichen den Eastpeak (2096 Meter) und machen wieder ein paar Bilder.

IMG_5100

Langsam sind wir an dem Punkt angekommen, an dem es wieder bergab geht und so laufen wir nun hauptsächlich Treppen abwärts. Gut, dass wir uns Kniebandagen gekauft haben, sonst wäre der Abstieg mit Sicherheit ziemlich unangenehm. Der Middlepeak (2038 Meter), welchen wir mittlerweile erreicht haben ist recht unspektakulär und besteht eigentlich nur aus einem Gebäude. Hier sind auch die Abzweigungen wo man vom Northpeak kommend entweder Richtung West oder Richtung Eastpeak laufen kann.

Wir sind nun an dem Punkt angekommen, an dem wir auch auf dem Hinweg zum Westpeak abgebogen sind und laufen jetzt die Strecke von der wir gekommen sind zurück. Wir sind gespannt auf die Aussicht, denn heute morgen konnten wir hier ja außer Nebel nichts erkennen.

DCIM103GOPROGOPR3841.JPG
IMG_5124

Wir laufen immer weiter Treppen runter und erreichen die Bergstation. Da wir auf dem Hinweg aufgrund der schlechten Sicht nicht zur Spitze des Nordbereichs gelaufen sind holen wir dies jetzt nach und hoffen auf einen schönen letzten Blick, bevor es dann wieder zurück ins Tal geht. Oben angekommen sind wir fast alleine. Die meisten Menschen haben wohl keine Lust mehr noch hier hoch zu laufen und sind direkt zur Bahn gegangen. Wir genießen die ruhigen Minuten und beobachten die Sonne, die so langsam unter geht.

IMG_5117

Wir drehen noch ein Abschlussvideo und machen uns dann gegen 18:30 Uhr auf den Weg zur Seilbahn. Diesmal haben wir nicht so viel Glück und müssen leider 45 Minuten anstehen, bis wir endlich in der Gondel sitzen. Unten angekommen kaufen wir schnell noch ein Busticket, welcher uns zurück in die Stadt bringt. Gegen 20 Uhr sind wir im Hostel. Wir kaufen uns noch etwas zu Essen für den Abend und Proviant für den nächsten Tag und gehen aufs Zimmer.

Leider gibt es bei uns im Zimmer kein heißes Wasser und so werden wir erfinderisch, kochen uns Wasser im Wasserkocher auf und mischen das zusammen mit kaltem Wasser in unseren 4 Liter Wasserbottich, bis die Temperatur angenehm ist. Kaputt aber glücklich sitzen wir im Bett, lassen den Tag revue passieren und essen noch schnell eine Kleinigkeit.

Menü schließen