05.02.2020 Zwischen Gangs, Banden und Drogenkartellen (Tag 312)

Für uns geht’s es heute in die zweitgrößte Stadt Kolumbiens nach Medellin. Bereits um halb sechs klingelt der Wecker und nach einem kurzen Müslifrühstück geht es zum Flughafen. Als wir in Brasilien mit der Airline LATAM geflogen sind, mussten wir um die Rucksäcke abzugeben immer mega lange warten. Zur Sicherheit fahren wir so los, dass wir bei Ankunft an Flughafen noch über zwei Stunden bis zum Abflug Zeit haben. Keine fünf Minuten nachdem wir aus dem Taxi ausgestiegen sind, sind unsere Rucksäcke schon weg und wir sind beide erstaunt darüber, wie leer es am Schalter war. Wären wir später erst hier gewesen, wäre es sicher genau andersherum gewesen.

Pünktlich fliegen wir nach Medellin ab und die Flugzeit dauert lediglich eine halbe Stunde. Leider hängen die Wolken ziemlich tief und der Anflug nach Medellin ist etwas wackelig. Wir fahren da die Taxis sehr teuer sind mit den Bus in die Stadt und fahren das letzte Stück mit Beat (ähnlich wie Uber) zur Unterkunft. Wir können sofort aufs Zimmer und scheinen die einzigen Gäste zu sein. Für den Nachmittag haben wir uns eine Tour in die noch bis vor einigen Jahren berüchtigte Comuna 13 gebucht. Eigentlich wollten wir mir der U-Bahn zum Treffpunkt fahren, müssen da die Ticketschalter aber völlig überfüllt sind auf Beat ausweichen und schaffen es zum Glück noch pünktlich zum Tourbeginn. Unser Guide ist auf den Hügeln der Comuna 13 aufgewachsen und kann uns so viele spannende, detalierte aber natürlich auch erschreckende Details erzählen. Bis vor einigen Jahren war dieser Bereich von Medellin der gefährlichste Ort der Stadt und wurde von verschiedenen Gangs und Drogenkartellen kontrolliert. Bis heute ist die Comuna auch durch Pablo Escobar, den wohl reichsten und skrupellosesten Drogenkönig geprägt.

Streetart Comuna 13 Medellin Kolumbien
Streetart Comuna 13 Medellin Kolumbien

Bis in die 2000er Jahre, kam es nahezu täglich zu oft tödlichen Auseinandersetzung zwischen den rivalisierenden Gangs und einzelnen Drogenbanden, die die Comuna unter sich aufgeteilt hatten. Sogar bis in die 1980er Jahre, litt der Stadtteil sehr stark unter dem Medellin-Kartell, welches von Pablo Escobar kontrolliert worden ist. Die Einwohner mussten die Regeln der Banden befolgen, durften sich nur in bestimmten Bereichen aufhalten, einige Bereiche der Comuna nicht verlassen, da sie sonst wie viele Andere einfach erschossen worden wären. Insbesondere die jungen Menschen haben von den regierenden Gangs vorgeschrieben bekommen bis wo sie sich bewegen dürfen. Wenn diese imaginäre Grenze missachtet wurde, sind die Menschen skrupellos erschossen worden.Unser Guide Stiven musste sogar die Highschool wechseln, da er ein paar Jahre vor seinem Abschluss eine imaginäre Grenze von einem Gangmitglied bekommen hat, die auf dem Weg zur Schule lag. Einer seiner Freunde ist sogar erschossen worden, als dieser diese imaginäre Grenze übertreten hatte. Immer wieder kommen wir an Graftittibilder vorbei die eine Geschichte erzählen. Auch ein Graffiti über die Orion Operation, welche drei Tage dauerte und die Guerillas aus der Kommune Vertrieb gibt es hier. Die Operation war die letzte große Operation im Kampf gegen die Kriminalität. Mehr als 1500 Offiziere, ein Panzer und zwei Hubschrauber waren im Einsatz. 2006 investierte der Bürgermeister viel Geld in die Kommune um die Lebensqualität zu verbessern.

Streetart Comuna 13 Medellin Kolumbien
Streetart Comuna 13 Medellin Kolumbien

Im Jahre 2011 wurde eine Rolltreppe nach dem Vorbild der sehr langen Rolltreppe in Hong Kong gebaut. Wie man eigentlich vermuten würde, wurde die Rolltreppe gebaut, damit die Anwohner besser in den unteren Bereich der Comuna kommen. Unser Guide erzählt uns aber, dass die lange Rolltreppe ein Teil des Konzeptes war den Stadtteil und das Leben vor Ort zu verbessern und Touristen anzulocken.

Streetart Comuna 13 Medellin Kolumbien
Comuna 13 Medellin Kolumbien
Streetart Comuna 13 Medellin Kolumbien
Breakdance in der Comuna 13 Medellin Kolumbien

Wenn man die Hintergrundinformationen nicht kennt, hat man beim Durchlaufen der Comuna das Gefühl, dass es sich um einen ganz normalen Stadtteil handelt. Die Anwohner versuchen mit ihren Läden und Ständen durch die Touristen die mittlerweile kommen etwas mehr Geld zu verdienen. Wir laufen immer mehr den Berg hinauf und erhalten so immer mehr einen Rundumblick auf die sieben Hügel die zur Comuna gehören und auf die gesamte Stadt Medellin.

Comuna 13 Medellin Kolumbien
Streetart Comuna 13 Medellin Kolumbien
Streetart Comuna 13 Medellin Kolumbien

Die Tour dauert ungefähr drei Stunden und wir erhalten einen kleinen Einblick wie katastrophal das Leben über viele Jahre für die Anwohner war. Auch heute gibt es weiterhin Banden und Drogengeschäfte, aber man kann sich in der Comuna 13 zumindest im Gegensatz zu vor einigen Jahren in einem gewissen Teil als normaler Mensch oder Tourist aufhalten. Langsam bricht die Dämmerung an und wir machen uns auf den Weg zum Ausgangspunkt der Tour. Eigentlich wollten wir mit der U-Bahn nach Hause fahren, wie es scheint braucht man aber wie in Australien in einigen Städten eine Guthabenkarte die man sich erst kaufen muss. Da uns das für eine Fahrt aber viel zu umständlich ist, bestellen wir uns ein Beat. In unserem Stadtteil El Poblado finden wir ein kleines indisches Restaurant in dem wir zu Abend essen. Anschließend geht es zurück zum Hotel und wir beschäftigen und mit der Planung für den Ausflug am nächsten Tag.

06.02.2020 Unendliche Weite (Tag 313)

Als der Wecker klingelt sind wir beide total k.o. und würden am liebsten noch liegen bleiben. Da wir aber heute einen schönen Ausflug in die Stadt Guatapé geplant haben, geht das leider nicht. Nach dem Frühstück sind wir beide dann aber einigermaßen wach und machen uns auf den Weg zum Busterminal im Norden von Medellin, von wo aus der Bus abfährt. Dir Fahrt in die kleine Stadt dauert etwa zwei Stunden. Die Hauptsehenswürdigkeit ist aber nicht die Stadt selbst, sondern der Piedra del Penol. Der Granitfelsen ist etwa 70 Millionen Jahre alt und in eine der Felsspalten wurde eine Treppe mit 700 Treppenstufen gebaut.

Piedra del Penol Guatape Kolumbien
Piedra del Penol Guatape Kolumbien

An einer Lenksseite des Felsens kann man bis heute den Buchstaben “G” und ein “I bzw. halbes U” lesen. Die beiden Gemeinden El Penon und Guatapé liegen bis heute im Streit darüber wem der Felsen wirklich gehört. Die Einwohner von Guatapé haben damals versucht den Stadtnamen auf den Felsen zu schreiben. Als die Einwohner von El Penon dies bemerkten versuchten sie die Arbeiten zu unterbinden was auch klappte. Somit sieht man bis heute noch anderthalb Buchstaben von diesem Ereignis. Als wir am Fuße des Steins ankommen, kaufen wir uns die Tickets und beginnen mit dem Aufstieg. Da wir gut in Übung sind, erreichen wir recht schnell die Aussichtsplatform und den Turm auf der Spitze des Felsens. Wow, was für eine tolle Aussicht auf die einzelnen kleinen Inseln im El Penol See und die umliegende Landschaft.

Piedra del Penol Guatape Kolumbien
Piedra del Penol Guatape Kolumbien
Piedra del Penol Guatape Kolumbien

Wir genießen eine ganze Weile die super tolle Aussicht, bevor wir uns wieder auf den Weg nach unten machen. Mit dem Tuk Tuk geht es in die kleine Stadt Guatapé. Die Stadt ist natürlich durch den Felsen ziemlich touristisch, lädt aber durch die kleinen Straßen und sehr vielen bunten Häuser zum Flanieren ein. In der Mitte gibt es einen Hauptplatz mit etlichen Geschäften und Restaurants und einer schönen Kirche.

bunte Häuser Guatape Kolumbien
bunte Häuser Guatape Kolumbien
Kathedrale Guatape Kolumbien
Kathedrale Guatape Kolumbien

Wir finden ein kleines Restaurant mit fairen Preisen und lassen und einen frisch gepressten Mangosaft, eine Kokosnusslimomade und ein Hünchenfilet mit Beilagen und Sicht auf die schöne Kirche schmecken. Nach den Essen gehen wir noch ein bisschen in der Stadt und an der Promenade des Sees spazieren. Wenn man sich die ganzen Boote für die Rundfahrten und die ganzen Hostels in der Stadt anschaut, kann hier hin und wieder wohl ziemlich viel los sein. Am Ende der Stadt machen wir uns auf den Rückweg zum Busbahnhof.

bunte Häuser Guatape Kolumbien
Guatape Kolumbien

Wir haben Glück, dass der Bus gerade losfahren will und wir noch mitkommen. Es geht die gleiche Strecke nach Medellin zurück. Wir erreichen Medellin im Dunkeln und da fällt uns das erste mal auf, wie unglaublich groß die Stadt ist und wie weit sich die Häuser durch das Tal und am Bergrand hinauf ziehen. Der Verkehr ist wie auch schon die letzten Tage gerade am Abend ein völliges Chaos. Jeder versucht sich irgendwo durch zudrängeln und der Erste zu sein. Dadurch kommt der Verkehr immer wieder für eine Weile zum Erliegen und es dauert länger bis wir das Busterminal erreichen. Mit Beat geht es zurück zur Unterkunft. Wir kaufen ein und wollen ein leckeres Avocadobaguette mit Paprika und Zwiebeln essen. Leider ist die Avocado aber noch total hart und so bleibt es leider bei einem Baguette mit Paprika und Zwiebeln. Eigentlich sollen immer Donnerstags an einem Platz nicht weit von uns einige Anwohner aus Medellin den Abend zum Salsa tanzen nutzen. Das wollen wir uns natürlich einmal anschauen. Als wir den Platz erreichen, sind die Bars ringsherum zwar gut gefüllt und alle schauen das Fußballländerspiel von Kolumbien, tanzen tut aber keiner. Wir gehen noch ein bisschen in den Nebenstraßen spazieren und anschließend zurück nach Hause. Dort suchen wir nach ein paar Unterkünften für die nächsten Städte in Kolumbien.

07.02.2020 Über den Dächern Medellin`s (Tag 314)​​

In den letzten Tagen hatten wir nicht wirklich viel Schlaf und stellen uns deshalb den Wecker erst für halb zehn. Zwar ist man nach neun Stunden schlafen immer noch ziemlich müde, aber das Ausschlafen hat gut getan. Wir frühstücken gemütlich und machen uns auf den Weg zur U-Bahn um zum Arvi Park zu fahren. Der Park liegt auf einer Bergkette und ist mit der Stadt über eine Seilbahn erreichbar. Wir können von der U-Bahn direkt in den ersten Teil der Seilbahn umsteigen. Einen Großteil der Strecke geht es über bewohntes Gebiet und man hat teilweise das Gefühl, dass man so durch die Fenster schauen kann und sieht ob der Bewohner sich ein Marmeladen Brot oder Käsebrot zubereitet. Man sieht im Streckenverlauf aber schon, dass es sich hier um die ärmeren Viertel der Stadt handelt. Es geht immer steiler die Bergkette hinauf und man hat eine echt coole Sicht über große Teile von Medellin.

Seilbahn Arvi Park mit Sicht über Medellin Kolumbien
Seilbahn Arvi Park mit Sicht über Medellin Kolumbien

Wir müssen sogar einmal umsteigen und fahren die letzten gut fünfzehn Minuten bereits über Teile des Parks. Als wir an der Endstation ankommen, merkt man durch die kühlere Luft recht schnell den Höhenunterschied zum Tal. Aktuell feiert die Seilbahn das zehnjährige Jubiläum und es gibt neben der Endstation ein kleines Festzelt mit verschiedenen Ständen. Wir laufen durch die Anfange des Parks und versuchen in der nächsten halben Stunde die verschiedenen Wanderwege die es hier geben soll zu finden. Wir haben gelesen, dass der Park selbst kostenlos ist, man für einige Bereiche aber eine geführte Tour buchen kann.

Nachdem wir aber nach längerem Suchen nicht fündig geworden sind und sogar wieder bis zum Eingang zurück gelaufen sind, erfahren wir an einem Touristenschalter, dass es lediglich einen freien Weg gibt (Teile davon sind wir bereits bei unserer Suche gelaufen) und der Rest nur mit geführten Touren zu sehen ist. Darauf haben wir aber beide nicht so wirklich Lust und beschließen kurze Zeit später wieder hinunter zu fahren. Bei der Zwischenstadion stehen einige kleine Straßenverkäufer die sehr gut aussehendes geschnittenes Obst verkaufen. Wir kaufen uns einen Mangobecher und können ein besonderes Rezept probieren.

Arvi Park Medelling Kolumbien

Die Verkäuferin träufelt eine frische Limette und etwas Salz über die Mangostücke. Die spannende Kombi, zugleich sauer, salzig und süß schmeckt wirklich sehr lecker. Wieder unten in der Stadt angekommen, geht es zum Plaza de Botero, an dem es eine wirklich cool aussehende Kirche und verschiedene Skulpturen des bekanntesten kolumbianischen Künstler namens Fernando Botero gibt.

Palacio de la Cultura Rafael Uribe am Plaza de Botero Medellin Kolumbien
Palacio de la Cultura Rafael Uribe am Plaza de Botero Medellin Kolumbien

Nach einem leckeren Latte Macchiato mit Blick über den Platz und auf die Kirche schlendern wir durch die Einkaufsstraße, da Carina auf der Suche nach einem neuen Bikini ist, da einer eine zu heiße Wäsche nicht so richtig überlebt hat. Plötzlich fängt es wie aus Eimern an zu schütten und wir sitzen in einem Laden fest. Als es etwas weniger wird, kommen wir einigermaßen trocken zur nächsten U-Bahnstation und fahren bis zu unserem Stadtteil zurück. Leider schüttet es als wir ankommen dort auch wie aus Eimern. Eigentlich hatten wir für die Tage in Medellin nur gutes Wetter im Internet gesehen und somit keinen Regenschirm mitgenommen. Wir warten eine ganze Weile bis es endlich etwas weniger wird. Nachdem wir gerade aus der Station raus sind, geht es aber wieder los. Insgesamt stehen wir bestimmt fast eine Stunde herum, bis wir uns endlich auf den Weg zur Unterkunft machen können. Wir kaufen ein, essen danach zu Abend und bringen danach unseren Internet- und Instagramseite auf den neusten Stand.

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