12.05.2019 Die Luft wird dünner (Tag 42)

Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker. Wir schieben den Vorhang beiseite und sehen wieder strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel. Wir gehen frühstücken und genießen aus unserem Aufenthaltsraum das umliegende Bergpanorama. Um 8 Uhr verlassen wir unsere Unterkunft und gehen zuerst einen Teil der gleichen Strecke bergauf wie am Tag davor. Glücklicherweise verläuft die weitere Strecke lediglich leicht bergauf und wir kommen gut voran. Bis zu unserem Mittagsstop begleitet uns der Berg Taboche auf unserem Weg. Wir erreichen den Fluss Lobuche und überqueren diesen über eine kleine Brücke.

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Kurz danach erreichen wir den kleinen Ort Dukla wo wir heute zu Mittag essen. Die gesamte Zeit ist es ziemlich windig und wir sind sehr froh, dass wir Rückenwind haben. Wir essen gebratene Nudeln und Dal Baht und laufen kurze Zeit danach weiter. Direkt hinter Dukla beginnt unser einziger steiler Anstieg den wir heute vor uns haben. Wir meistern die Steigung und sehen oben angekommen eine Gedenkstätte für die Menschen, die ihr Leben auf dem Weg zum Mount Everest verloren haben. Die Landschaft um uns herum erinnert uns an eine Mondlandschaft und es gibt mittlerweile nicht mal mehr Sträucher, da der Sauerstoffgehalt in der Luft zu gering ist.

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Am frühen Nachmittag erreichen wir unser heutiges Ziel Lobuche auf 4900m. Wir bringen unsere Rucksäcke aufs Zimmer (wir waren in der New EBC Guesthouse) und bestellen uns erst einmal im Aufenthaltsraum eine große Kanne heiße Schokolade. Carinas rechte Hand wird komischerweise taub und fängt an zu kribbeln. Wir suchen Nuri auf doch dieser weiß auch nicht woher das kommen kann. Die Höhenkrankheit ist es aber nicht. Das Kribbeln und die Taubheit zieht bis zum Ellenbogen hoch und auch die linke Hand fängt leicht an zu kribbeln. Wir warten erst mal etwas ab und Carina wärmt ihr Hände auf. Da es erst mal nicht schlimmer, sondern eher etwas besser wird, machen wir uns keine größeren Sorgen. Wir messen unseren Sauerstoffgehalt. Carinas Sättigung ist bei 82% Prozent. Dies ist hier auf einer Höhe von 5000 Metern zwar immer noch ein super Wert, jedoch war dieser die Tage davor immer über 90% und so gehen wir davon aus, dass das Kribbeln davon kommt. In der nächsten Stunde geht das Ganze gottseidank wieder komplett weg.

Nachdem wir uns mit dem Kakao etwas aufgewärmt haben, schnappen wir uns unsere Daunenjacke und laufen ein wenig durch das kleine Dorf. Wir sehen, dass einige Personen einen kleinen Hügel hinauf laufen und entscheiden uns dort auch hinauf zu gehen um die umliegende Landschaft besser sehen zu können. Oben angekommen entdecken wir einen Gletscher und machen ein paar Fotos. Auf der anderen Seite des Hügels können wir ein paar kleine Seen erkennen.

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Wir erfahren von einem Guide, dass auf der Seite wo wir die Seen erkennen bereits der Khumbu-Gletscher ist und wir wenn wir diesen bis in die Ferne verfolgen bereits die kleinen gelben Zelte des Basecamps sehen können. Das wir mittlerweile unserem Ziel so nah sind wird uns jetzt zum ersten Mal richtig bewusst. Da es ziemlich kalt und windig ist, laufen wir nach etwa einer Dreiviertelstunde wieder zurück zu unserer Unterkunft und spielen ein paar Runden Phase 10. Wir essen zu Abend (Pizza und Curryreis) und schreiben den Blog für den heutigen Tag. Nach ein paar weiteren Runden Phase 10 gehen wir aufs Zimmer, packen unsere Rucksäcke, machen uns fertig und gehen gegen 21 Uhr schlafen.

13.05.2019 Base Camp wir kommen (Tag 43)

Es ist sieben Uhr und der Wecker klingelt. Wir machen uns fertig und gehen frühstücken. Es gibt heute Müsli und Cornflakes mit heißer Milch. Heute ist endlich der Tag gekommen, auf den wir uns schon so lange gefreut haben. Wir gehen heute von Lobuche zu unserem höchsten Übernachtungspunkt auf ca. 5100 Meter nach Gorak Shep um uns dort nach dem Mittagessen auf den Weg zum Mount Everest Basecamp zu machen. Gegen 8 Uhr machen wir uns auf den Weg. Eigentlich war für den Tag nicht das beste Wetter angesagt, glücklicherweise scheint aber auch heute wieder die Sonne am Morgen und es ziehen nur ein paar Wolken durch. Es geht zwar nur langsam bergauf, aber auf Grund der dünneren Luft in dieser Höhe ist es anstrengender als die Tage davor.

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Wir kommen trotzdem ganz gut voran, müssen nur häufiger mal eine kleine Pause einlegen. Nach ca. zweieinhalb Stunden erreichen wir Gorak Shep auf einer Höhe von 5100 Meter. Leider ist das Wetter ziemlich schlecht geworden, es weht ein stürmischer Wind und es hat angefangen zu schneien. Wir bringen kurz unsere Rucksäcke aufs Zimmer ( wir waren im Snow Land Highest Inn) und essen zu Mittag (gebratener Reis und Maccaroni in Tomatensoße). Diese Unterkunft ist mit Abstand die dreckigste Unterkunft auf dem Trek und wir sind froh, hier nur eine Nacht verbringen zu müssen. Direkt nach dem Essen machen wir uns auf den Weg zum Everest Base Camp. Unser Weg führt uns über einen Gletscher immer wieder hoch und runter. Im leichten Schneefall können wir auf einmal in der Ferne gelbe Zelte erkennen und fangen an zu grinsen.

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Unser Ziel auf das wir seit acht Tagen hinarbeiten ist auf einmal so nah. Es geht noch einige Male hoch und runter und auf einmal stehen wir neben den ersten Zelten und können es noch gar nicht fassen, dass wir beim Base Camp auf einer Höhe von 5364 Metern angekommen sind. Wir klatschen uns ab und grinsen über beide Ohren. Was für ein cooles Gefühl endlich hier zu sein. Wir machen trotz des verschneiten Wetters ein paar Bilder und Videos. Auch Knut posiert vor den Zelten um ein cooles Foto zu haben.

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Zwischenzeitlich hört es für ein paar Minuten auf zu schneien und klart sogar etwas auf, sodass wir das ganze Camp sehen können. Wir sind ziemlich überrascht als wir erkennen, wie groß dieses ist. Nach etwa einer Dreiviertelstunde machen wir uns auf den Rückweg. Der Weg vom Camp zum Hotel ist unter Anderem auf Grund des Gegenwindes wesentlich anstrengender als der Hinweg und beim Atmen merkt man immer mehr wie hoch man ist. Ziemlich erschöpft kommen wir wieder in Gorak Shep an und legen uns im Zimmer erst einmal für eine Stunde hin. Immer noch recht träge und müde gehen wir Abendbrot essen (Käsepizza und Dahl Bat). Wir schauen uns um und sehen ausnahmslos erschöpfte Menschen um uns herum. Nur die Guides, die auch im Aufenthaltsraum sitzen machen noch einen recht fitten Eindruck. Hier bekommen wir auch zum ersten Mal mit, dass Andere in unserer Unterkunft unter der Höhenkrankheit leiden. Wir sind sehr froh, dass wir bisher davon verschont geblieben sind. Auch Amy, aus der Anderen Gruppe ist an der Höhenkrankheit erkrankt und schon wieder auf den Weg nach Lobuche, in der Hoffnung, dass es ihr etwas tiefer gelegen wieder besser geht. Da wir am nächsten Morgen sehr früh aufstehen müssen, gehen wir gegen 19.30 Uhr aufs Zimmer, packen unseren Rucksack und gehen um kurz nach 20 Uhr schlafen.

14.05.2019 Am höchsten Übernachtungspunkt unseres Treks auf 5100 Metern (Tag 44)

Heute steht ein weiteres Highlight unseres Treks auf dem Programm. Wir möchten heute zum Kala Patthar laufen um uns das Basecamp von oben und den Mount Everest anzugucken. Um 4 Uhr klingelt der Wecker und um 4.30 laufen wir los zum Kala Patthar. In der Nacht hat es Frost gegeben und es ist noch ziemlich kalt. Sogar unsere Fenster waren von innen gefroren. Wir sind ziemlich froh, dass wir unter der Daunenjacke noch drei weitere Schichten an haben. Nach ein paar Minuten erreichen wir den Fuß des Berges und es geht gleich von Anfang an recht steil nach oben. Nuri hat uns gesagt, dass der Aufstieg ca. zweieinhalb Stunden dauern wird. Es sind noch viele weitere Menschen unterwegs und vom Berg sieht man noch etliche Stirnlampen leuchten. Langsam wird es heller und hinter den Bergen deutet sich bereits die Sonne an. Wir kommen ganz gut voran und nach ca. anderthalb Stunden geht die Sonne über den Berggipfeln auf. Immer mehr Berge werden von der Sonne in einem schönen Licht angestrahlt. Je höher wir kommen, desto schöner ist unsere 360 Grad Sicht. Carina hat heute ziemlich zu kämpfen und muss immer wieder eine Pause einlegen. Aufgeben kommt aber nicht in Frage, schließlich werden wir wahrscheinlich nur einmal in unserem Leben hier sein. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir etwas kaputt aber glücklich den Gipfel des Kala Patthars und sind sprachlos über die Aussicht.

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Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen, alle Berghänge werden angeleuchtet und wir können den Mount Everest direkt vor uns sehen. Wir machen Videos und Bilder und genießen den atemberaubenden Anblick um uns herum. Ein Foto zusammen mit Nuri darf natürlich auch nicht fehlen.

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Nach etwa einer Dreiviertelstunde machen wir uns langsam auf den Rückweg zu unserer Unterkunft. Für den Rückweg brauchen wir nur knapp eine Stunde. Auf dem Zimmer packen wir unsere Rucksäcke und gehen anschließend frühstücken. Direkt nach dem Frühstück beginnt gegen kurz nach 9 Uhr unser Abstieg Richtung Pheriche. Wir kommen sehr gut voran und haben mit den kleineren Anstiegen die wir zwischenzeitlich erklimmen müssen keine Probleme. Relativ schnell erreichen wir Lobuche, wo wir in der Nacht davor geschlafen haben.

Wir liegen sehr gut in der Zeit und Nuri schlägt vor, dass wir eine Teepause einlegen können. Im Anschluss geht es weiter bergab nach Dukla wo wir heute zu Mittag essen. Heute ist die Sicht auf der Strecke besser als auf dem Hinweg und wir machen noch ein paar Bilder. In der Mittagspause schlägt Nuri vor, dass wir noch einen Ort weiter als Periche laufen könnten, damit die Strecke am nächsten Tag nach Namche Bazar kürzer ist. Obwohl wir früh aufgestanden sind und auch schon den Kala Patthar in den Knochen haben fühlen wir uns fit und einigen uns darauf, dass wir über Periche bis Pangboche weiter laufen.

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Gegen 16 Uhr erreichen wir unser heutiges Ziel Pangboche (3900m). Mit dem Aufstieg des Kalar Patthas kommen wir heute auf 16 Kilometer Fußmarsch. Wir können gleich auf unser Zimmer und machen uns erst einmal etwas frisch. Anschließend gehen wir in den Aufenthaltsraum und sehen dort zufällig Amy, Paulwrek und Dakotah sitzen. Bei den hunderten von Lodges die es in den verschiedenen Dörfern gibt, ist es schon ein großer Zufall, dass man sich hier wieder trifft obwohl wir uns erst bei der Mittagspause spontan dazu entschieden hatten heute weiter als Pheriche zu laufen.

Wir unterhalten uns noch ein wenig über die letzten zwei Tage in denen wir in verschiedenen Unterkünften geschlafen und uns nicht gesehen hatten. Wir essen zusammen zu Abend und können in dieser Unterkunft glücklicherweise endlich unser Notebook laden. In allen Unterkünften davor war es lediglich möglich Handys zu laden. Wir schreiben den Blog für die letzten beiden Tage fertig und sortieren nach längerer Zeit endlich mal wieder ein paar Bilder für Instagram und unserer Homepage aus. Wir spielen noch eine Runde Phase 10 und gehen recht früh schlafen, da wir am nächsten Tag bereits um 7.30 Uhr zum Frühstücken verabredet sind.

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